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Tatsächlich Indien
06. November 2009

Mein lieber Schwan, was eine andere Welt. Leider waren all meine Versuche, mit meinem eigenen Compu online zu gehen, bis heute vergebens, deshalb erst jetzt das Lebenszeichen. In Kerala (Südindien) ist es jetzt fast 23:00 h, und ich sitze an einer der zwei Klugboxen, die man im ersten Stock, neben der kleinen Bibliothek nutzen kann. Immer noch klingt der letzte Punkt unseres Tagesprogramms in mir nach. Was sich auf dem „Schwarzen Brett“ so einfach gelesen hat, war alles andere als einfach:

07:30h p.m.

Candle light Yoga, stand da. Wirklich faszinierend, was sich, selbst bei mir als Anfänger, auf dieser Magical Mistery Tour abspielte. Allerdings auch nicht ganz leicht, wenn man als Ungeübter seine Gedanken so konsequent und unerbittlich auf einen Punkt, eine Sache konzentrieren soll. Mir scheint, mittlerweile bin nur mehr ich auf den Beinen. Alle anderen schlafen. Lang werde auch ich nicht mehr machen, denn der Uralt-Spruch „Morgen früh ist die Nacht rum“ hat hier nochmal eine ganz andere Dimension – zumindest für mich. 05:00h Aufstehen gehört nicht so wirklich zu meinen Spezialitäten. Schon dieser 1. Alltag im Kalari Kovilakom hat aus mir doch einen recht müden Krieger gemacht, dabei habe ich, was ‘verboten’ ist, tagsüber sogar ein wenig geschlafen.

Verboten… na ja, angeraten… aber wie Hotelleben darf man sich das hier auf keinen Fall vorstellen. Die Tage sind alles andere als frei gestaltbar, sondern streng durchstrukturiert. Heute morgen, noch vor Sonnenaufgang, war zum Beispiel meine erste  Yogasitzung angesetzt. Als ich den Pavillon endlich gefunden hatte, lief die Sitzung schon… wie peinlich. Gott sei Dank war ich nicht zu spät, sondern nur am falschen Ort. Ein Neuer darf noch nicht mit der Gruppe “arbeiten”, sondern bekommt erst mal Einzelunterricht. Es ist ohnehin nicht so ganz leicht, sich hier zurecht zu finden, und wenn es dann noch dunkel ist… na ja… auf halbem Weg lief ich meinem Yogi über den Weg und im nächsten Augenblick war ich bereits in eine andere Welt eingetaucht.

Kein Zirkeltraining, no Armpresse, kein Stepper, nur sitzen und wahrnehmen… gehört hatte ich natürlich davon, jetzt weiß ich aus eigener Anschauung, wie fantastisch, aber auch wie anstrengend sowas sein kann. Danach kurz auf’s Zimmer, frischmachen. 08:30h, beim Doktor, der erste Ghee-Termin. Oh Mann, wirklich nicht jedermanns Sache. Bis es braeunlich ausflockt wird diese Art Butterschmalz erhitzt und je nach Ergebnis der Anamnese mit irgendeinem Kraeutlein oder auch mehreren „veredelt“. Es bleibt eine fette, pappige Angelegenheit, über die eigentlich von allen Uniformierten, wir tragen alle die gleiche Kleidung, ziemlich gejammert wird.

What shall’s, ich hab’ mich dazu entschieden, bin also tapfer angetreten und fand es auch gar nicht so tragisch. Allerdings hatte ich heute, an meinem ersten Tag, nur etwa einen Zentimeter der zweifelhaften Köstlichkeit in meinem Glas zu bewaeltigen. Morgen wird es schon doppelt so viel sein usw. Bei mir war der Early-Morning-Drink jedenfalls auf der bitteren Seite, andere hatten ihn säuerlich, ja seifig und einige haben fleißig Kardamon gekaut, um den Geschmack loszuwerden. Das mit den Klamotten ist für mich genial. Ob beim Skilaufen oder auf Kreuzfahrtschiffen etc., ich kann ”Modenschauen” nun mal nichts abgewinnen. Gleich bei der Ankunft gibt man seine Schuhe ab - Leder kommt nicht über die Schwelle des Hauses - bekommt stattdessen Flip-Flops, und erst dann geht es an die Rezeption zu einer kleinen, ersten Einführung. Die hat übrigens absolut jarnüscht mit dem üblichen Geschleime beim & am Empfang anderer Hotels zu tun. Von wegen: „Aber selbstverständlich, gnädige Frau, erfüllen wir Ihnen auch gerne Extrawünsche. Sie sollen sich doch bei uns wohlfühlen…etc.“ Nicht der Gast ist König, hier regiert Ayurveda.

Mr. Cherry, der Direktor meinte gleich bei der Begrüßung: Die ersten Tage sind reichlich „unpleasant“, danach wird es… pleasant, beendet man im Geist den Satz, er aber sagt, ohne das kleinste Lächeln: „etwas weniger unpleasant“. Und trotzdem meinte gestern Abend Leonidas, der zwischen Griechenland, Schweiz, Paris und New York hin & her pendelt und im Frühjahr nach Peking zieht, also offenbar bisserl was von der Welt kennt, trotzdem meinte er, das Kalari Kovilakom sei das beste, was ihm jemals widerfahren ist. Schon zum zweiten Mal stellt er sich diesem Generalangriff auf Körper und Seele.

Nach kürzester Zeit ist einem jedenfalls klar, dass man sich gefälligst privilegiert zu fühlen hat, wenn man eines der nur 18 Zimmer beziehen darf… ach ja, und auf dem Zimmer wartet dann auch Deine weisse “Uniform”. Männlein wie Weiblein schlüpfen in weite Hosen, drüber wird ein Hänger getragen (tailliert ist etwas anderes:-), und ich glaube jeder fragt sich in diesem Augenblick, ob man nicht am besten den Koffer bis zur Abreise gepackt lässt wie er ist. Gebraucht wird jedenfalls NIX!!! Schlaf brauche ich, (05:30h Yoga), will Euch auch nicht weiter zumüllen mit den vielen Eindrücken. Beim nächsten Mal geht es vielleicht geordneter, wenn nicht mehr alles so brandneu ist.

Umarmung
Euer
*m

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