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DEZEMBER 2013:
Othello on Tour - TEIL 01 

Michael Schanze als "Tito Merelli"

Michael Schanze als "Tito Merelli"

Michael Schanze als "Tito Merelli"
in "Othello darf nicht platzen"

Meine Herrschaften, und es stürmt und schneit, und hochwassert und hagelt vom Norden bis in den Süden der Republik… und wir, mit OTHELLO DARF NICHT PLATZEN, mittendrin. Irgendwie scheint unser aller Chefin, Frau Bönisch, jedoch unsere Reiseroute mit hellseherischem Geschick gewählt zu haben: Bis jetzt sind wir „ungeschoren“ davon gekommen. Bis jetzt… schaugnmermal…

An dieser Stelle möchte ich mich heute mal bedanken, für die netten Briefe, die mich seit Beginn unserer Tournee immer wieder erreichen. Es ist einfach zu nett, wenn man morgens im Hotelbett nach einer weiteren „Un-Nacht“ auf irgendeiner viel zu harten/weichen, jedenfalls nicht angenehmen Matratze, noch leicht schlaftrunken im virtuellen Postkasten Zeilen vorfindet, wie: „Gute Reise nach Fürth. Viel Spaß in diesem schönen Theater wünschen Dir und Deiner Truppe… Gerlinde und Nadja. p.s. Wir legen Dir zur Vorfreude zwei Bilder vom Stadttheater bei. Toi Toi Toi !“. Und wie recht die beiden hatten. Fürth gehörte sicher zu den schönsten Spielstätten auf unserer Tournee. Und nicht nur das: Das Interesse an unserem „OTHELLO“ war so groß, dass wir mit über 600 Zuschauern die „Hütte“ bis unters Dach, inkl. 2.Rang, voll hatten – sogar an zwei aufeinanderfolgenden Abenden. Umso größer die Enttäuschung, als wir am nächsten Tag auf dem Weg nach Ramstein erfahren mussten, dass der Kartenverkauf miserabel war, und die Verantwortlichen sogar darüber nachgedacht hatten, die Vorstellung abzusagen… GRAUSAM, wenn man hinter dem Vorhang steht und sogar einzelne Gesprächsfetzen im Parkett mitbekommt, weil sie nicht wie sonst im allgemeinen Gemurmel der Zuschauermenge untergehen.

To make a long story short: Wir alle fühlten uns bei unserer Ehre gepackt und haben unter dem Motto: „Nun erst recht!!!“ eine klasse, konzentrierte Vorstellung „hingelegt“. Am Ende wurden wir sogar mit begeisterten Standing Ovations beschenkt… So kann’s gehen… ein Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde, obwohl er nur vor gerade mal 60 Aufrechten stattfand.

Wie zum Trost, schien am Morgen danach, bei der Abreise, sogar ein klein wenig die Sonne. Kurz darauf aber waren wir schon mittendrin im „Pfuideibel-Wetter“, das wir bis dahin nur aus den Fernsehbildern kannten. Aber Thorsten, unser immer hilfsbereiter Busfahrer, mit dem stacheligen Igel-Haarschnitt, ich hab ihn „Borsten-Thorsten“ getauft, kutschierte uns einmal mehr sicher und routiniert durch dichtes Schneegestöber Richtung München. Mann, was war ich dankbar, nicht mit ihm tauschen zu müssen. Oder noch schlimmer, womöglich am Steuer eines dieser kleinen Fahrzeuge zu sitzen, die tief unter uns immer wieder die Spur wechseln und ständig die Lichthupe betätigen müssen, weil sie doch dringend und unbedingt jetzt, der hektische Scheibenwischer kommt längst nicht mehr hinterher, zum Überholen gezwungen werden …von wem nur? Ich glaube mich zu erinnern, man nennt diese kleinen Fahrzeuge, die zum Teil links und rechts auf der Autobahn an unserem roten Bus vorbeipfeifen, PKW; … wie lange ist es eigentlich schon her, dass ich selber mit grenzwertig roter Birne satte 15 Minuten gegenüber so einem Bus eingespart habe…? … ? … Aber so wie der da, oder der BMW eben… nein so hab ich mich nie benommen, so lächerlich kurzsichtig war ich NIEEEE unterwegs… ich doch nicht
Zwinkernd
Der Ausdruck „Abstand von einer Sache gewinnen“, hat mir schon immer gefallen. Natürlich ist es eine Binsenweisheit, aber aus einigem Abstand
sehen 
Dinge sehr oft überraschend anders aus. Wer von uns hätte noch nicht erfahren, dass zum Beispiel zeitlicher Abstand, die Sicht auf Dinge komplett verändern kann, oder dass dem, der ein Gemälde aus der Nähe betrachtet, zwar Details ins Auge stechen, das Große/Ganze zu erkennen bleibt ihm aber verwehrt, dazu müsste er: Abstand gewinnen… Ein weites Feld, wenn man erst mal damit anfängt. Zu Zeiten von "1, 2 oder 3", hab ich den Kindern gerne die Großaufnahme einer paradiesisch schönen Blume gezeigt und gefragt, ob sie Lust hätten, mit mir dahin zu fahren, wo sie wächst. Meistens waren alle Kinder begeistert von der Idee. Dann haben wir uns nicht nur den Ausschnitt, sondern das ganze Foto vorgenommen, und da konnte jeder sehen, dass die wunderschöne Blume mitten in einer scheußlichen Siedlung, der reinsten Steinwüste blühte. Ich weiß, das führt jetzt arg weit, aber manchmal ist es im Leben eben hilfreich, einen Schritt zurück zu tun, um sich die „Chose“ noch einmal mit dem nötigen Abstand anzusehen. Hier oben im Bus hat sich meine Sicht auf den Straßenverkehr gehörig verschoben.

Die Vorstellung am Abend in Unterhaching stand unter besonderen Vorzeichen. Nicht nur, dass sich unsere Intendantin, Frau Bönisch, angesagt hatte, auch Karl, unser Regisseur, wollte mal ein Auge auf seine  Inszenierung werfen und sehen, ob und wie sich „sein“ OTHELLO weiter entwickelt hat. Natürlich hatte niemand etwas zu befürchten, und doch, so schien mir, war es hinter und auch auf der Bühne irgendwie anders… Gott sei Dank waren wir wieder ausverkauft, es mussten sogar zusätzlich Stühle in den Saal gestellt werden… ein wunderbarer Seelenverband nach dem Ramsteiner Tiefschlag. Am Ende gab es Lob von allen Seiten.

Wir alle wissen, dass im Frühjahr, bevor wir in der KOMÖDIE IM BAYERISCHEN HOF starten, noch an der einen oder anderen Stellschraube gedreht werden wird, aber wir sind als Ensemble in den Tagen der Tournee doch recht homogen zusammengewachsen. Ich kann mir jedenfalls im Moment kaum etwas Schöneres vorstellen, als Abend für Abend in meinen eierschal-farbenen Leinenanzug zu steigen… na ja… bisserl weniger verknittert würde er dem angeblich besten Tenor aller Zeiten, Tito Merelli, sicher noch besser zu Gesicht stehen, aber wir sind auf Tournee, es muss viel improvisiert werden, mit den Möglichkeiten am festen Haus wird sich auch da etwas ändern.

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