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Für Freunde der Cucina italiana UND gehobenSTer Lyrik :-)
hier eine Risotto-Variation, die einen Koch-Versuch wert ist.

Jazzfreund Vincent Klink wird's verschmerzen, dass ich sein Grundrezept 
nach meinem Geschmack etwas verändert und als Geburtstagsgeschenk an
Hobbykoch Jürgen von der Lippe weitergegeben habe.
 

 
Der erste Gang für Dein Menü
braucht Fisch, braucht auch Gemüsebrüh’.
Braucht Safranfäden, Muschelfleisch,
von Jakobsmuscheln, Risottoreis.
(der Sprachfehler versteht sich von selbst)
Mit Orange, Limone, Salz, Pfeffer,
wird der Risotto zum Vorspeisentreffer.
                          ***
Schalotten, Knoblauch und der Reis,
mit Butter im Topf – natürlich nicht zu heiß
alles zusammen angeschwitzt,
bis der Risottoreis glasig itzt.
Zwei Weißweingläser mit Noilly Prat,
hinein, oder Wein, hast Du Vermouth nicht da.
                          ***
Der Erfolg von Risotto wird auch dadurch erklärt,
was in diesem Moment in die Nase fährt.
Jetzt Fisch od. Gemüsebrühe
schön langsam dazu – es lohnt sich die Mühe.
Reis für Risotto hat so seine Allüren,
will, dass wir ihn streicheln, will, dass wir ihn rühren.
Bei nicht zu hoher Temperatur - 20min zeigt die Uhr,
dann ist der Reis gar. Schon mancher Koch „flennte“
weil der Arborio zu weich statt al dente.
(In Klammern bemerkt, vom Safran zwei Gramm,
kommt nicht nur farblich gewaltig an.)
                          ***
 
Die Jakobsmuscheln, am besten halbiert,
mit Pfeffer und Salz in der Pfanne grilliert.
Vier Löffel Olivenöl werden erhitzt,
darin die Schalotten zartgelb angeschwitzt.
Fischbrühe dazu und Orangensaft -
Zwei Drittel reduziert - das bringt erst die „Kraft“.
                          ***
Jetzt geht es nicht ohne: Saft von Limone,
von der Orange geriebene Haut,
ungespritzt, sonst ist alles versaut.
Das Auge isst mit, drum wahre die Sitte,
gib das Risotto in die Mitte,
außen herum den Muschelrand –
sieht klasse aus, schmeckt fulminant,
verspricht Dein Risotto-Gratulant.
                          ***
Lieber Jürgen, 
"Für schöne Erinnerungen", so heißt es,
"muss man beizeiten selber sorgen." Schön,
dass wir das, immer mal wieder, gemeinsam
tun konnten.
Danke, dass Du mir in den Katakomben
des WDR mit dem ersten „Balsamico Vecchio“
meines Lebens nicht nur ein kleines Fläschchen
überlassen, sondern auch die Tür zur Kochwelt
aufgestoßen hast.
 
Noch schnell der bayrische Wunsch mit X:
X-undheit…
…den Rest schaffst Du allemal
 
   

Michael Schanze, Sigi Harreis und Jürgen von der Lippe während der Funkausstellung in Berlin 1985. Gemeinsam moderierten die drei das Nachmittagsprogramm "Die goldene Eins" für die ARD auf der IFA.